zurück zur Startseite

Kurzanalyse Tourismus 2009

zusammengestellt aus Materialien der Statistischen Landesämter Sachsen und Sachsen-Anhalt

von Dr. sc. Walter Dlouhy

A. Die touristische Nachfrage in der Dübener Heide 2009

2009 wurde die 500 000er Marke bei der Zahl der Übernachtungen zum dritten Mal in Folge überschritten. Es gelang jedoch nicht, den Aufwärtstrend der letzten Jahre fortzusetzen. Die Nachfrage entspricht etwa dem Niveau der Jahre 2003 – 2006.

 

Bei 505 505 Übernachtungen lag das Niveau um 8,1 % unter dem des Vorjahres. Ein derart starker Rückgang ist letztmals 1994/95 registriert worden. Diese Entwicklung ergab sich aus einem Rückgang der Gästezahl und verkürztem Aufenthalt.

  • 104 248 Gäste besuchten die Dübener Heide, das entspricht 95,6 % des Vorjahresniveaus. Im Langzeitvergleich wurde 2009 nach 2008 der zweithöchste Wert bei den Gästezahlen erreicht (1992 – 2009).

  • Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste ist das dritte Jahr in Folge gesunken und entspricht etwa dem Niveau von 1998 (4,8 Aufenthaltstage pro Gast). Zum 2007 erreichten Höchstwert von 5,7 Aufenthaltstagen/Gast besteht ein beachtlicher Abstand.

Diese Nachfrageveränderungen blieben nicht ohne wirtschaftliche Auswirkungen.

  • Der touristische Umsatz ging um fast 10 Prozent zurück,

  • Die Auslastung der vorhandenen Beherbergungskapazitäten sank auf 40 % und erreicht damit das seit 10 Jahren ungünstigste Ergebnis.

  • Die Steuereinnahmen aus dem Tourismusgewerbe reduzierten sich 2009 um mehr als eine Million Euro. Allein von den kommerziellen Beherbergungseinrichtungen wurden etwa
    120 000 – 140 000 Euro weniger kommunale Steuern abgeführt.

B. Regionale Nachfrageunterschiede 2009

Die Nachfrageveränderungen werden bei einer differenzierten regionalen Betrachtung sichtbarer. Zwei Betrachtungsweisen sind von Interesse. Einmal die Unterscheidung zwischen dem Nord- und Südteil der Dübener Heide, d. h. dem sachsen-anhaltinischen und dem sächsischen Teil und zum anderen der zwischen den Kurstädten und den übrigen Teilen der Dübener Heide (im Folgenden als ländlicher Raum bezeichnet).

Geografisch betrachtet dominiert der nördliche Teil der Dübener Heide bei der Zahl der Übernachtungen. Mit einem Anteil von 69 % an den Übernachtungen in der Region entspricht dies weitgehend den demografischen Größenunterschieden, denn bei diesen verfügt der Norden über 67 % Anteil an der Gesamtbevölkerung der Region.

Die Unterschiede treten auch bei der Zahl der Gäste und den Aufenthaltstagen auf:

  • Im Nordteil der Heide wurden 65 % der Gäste registriert

  • Bei den durchschnittlichen Aufenthaltstagen pro Gast rangiert der Norden mit 5,2 zu 4,3 gegenüber dem Südteil ebenfalls vorn.

 

Die Unterschiede zwischen den Kurstädten (Bad Schmiedeberg und Bad Düben) sowie dem ländlichen Raum sind noch gravierender. Die beiden Kurstädte repräsentieren die touristischen Zentren der Region.

  • In den Kurstädten hielten sich 2009 im Tagesdurchschnitt 1.053 Gäste auf, im ländlichen Raum 332. Dieser Unterschied ist Ergebnis der sich aus dem Besuchsmotiv ergebenden Aufenthaltsdauer. In den Kurstädten beträgt sie 7,4 Tage, im ländlichen Raum 2,3 Tage.

  • 2009 hielten sich in den Kurstädten etwa 52 000 Gäste 384 000 Tage auf, im ländlichen Raum verweilten ebenfalls 52 000 Gäste, allerdings lediglich 121 000 Tage.

  • Diese Tatsache beinhaltet auf eine wichtige Aussage: Die Kurstädte sind touristisch betrachtet die Umsatzbringer für die Region, der wirtschaftliche Tourismusfaktor; die übrigen Gebiete der Dübener Heide spielen jedoch bei der Meinungsbildung außerhalb der Region mindestens die gleiche Rolle. Es wäre somit ein großer Fehler sich bei der touristischen Angebotsentwicklung zu stark auf die Kurbereiche zu konzentrieren.

Beachtliche Unterschiede traten im Wachstum der Nachfrage auf. 2009 reduzierte sich im ländlichen Raum die Nachfrage nach Übernachtungsleistungen um 16 % gegenüber dem Vorjahr und entsprach damit etwa dem Niveau von 2006. In den Kurstädten wurde das Nachfrageniveau des Vorjahres um 4 – 5 % unterschritten überschritten.

C. Saisonale Nachfrageunterschiede 2009

In der Dübener Heide ist, wie in allen touristischen Regionen ein Sommer-Winter-Gefälle vorhanden. Es ist jedoch gering ausgeprägt, während im Sommerhalbjahr 58 % der Übernachtungen getätigt werden, sind es im Winterhalbjahr 42 %.

Diese Ausgeglichenheit resultiert aus dem in Kureinrichtungen nur gering vorhandenem Saisoneinfluss. Die gesonderte Betrachtung des ländlichen Raumes ergibt ein völlig anderes Bild. In ihm werden im Sommerhalbjahr 76 % der Übernachtungen realisiert, im Winterhalbjahr nur 24 %.

D. Überregionale Vergleiche

Die Dübener Heide zählt zu den Regionen mit überdurchschnittlicher Fremdenverkehrsintensität, d. h. sie kann sich als Tourismusregion bezeichnen. Ihr Gesamtniveau liegt wesentlich über dem Deutschlanddurchschnitt und dem Durchschnitt der Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt.

  • Die Dübener Heide, gesamt, liegt 31 % über dem deutschen Niveau der Fremdenverkehrsintensität und

  • sie überschreitet das Niveau der Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt um 55 % bzw. 108 %.

Besonders im Vergleich zu den Bundesländern, in die die Region eingebettet ist, besitzt die Dübener Heide einen herausragenden touristischen Stellenwert.

Allerdings besteht die Grundlage diese Aussage im hohen Anteil an Gästen in Kureinrichtungen. Werden diese ausgeklammert, reduziert sich die Fremdenverkehrsintensität beträchtlich und die Bezeichnung Tourismusregion ist mit starken Einschränkungen zu verwenden.

  • Ohne Kurstädte liegt die Fremdenverkehrsintensität bei 198 Übernachtungen pro 100 Einwohner und damit beträgt sie nur 34 % des Niveau der Gesamtregion mit Kurstädten.

  • Ohne Kurstädte liegt die Fremdenverkehrsintensität unter dem Niveau der Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt und erreicht lediglich 44 % des deutschen Niveaus.

Einbusen musste die Dübener Heide 2009 im Wettstreit mit anderen Regionen hinnehmen. Dem Rückgang der Nachfrage in der Dübener Heide steht in Deutschland sowie den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt eine trotz Wirtschaftskrise stabile Nachfrageentwicklung gegenüber.